Probleme mit Schiffs- und Immobilienfonds: ORF-Analyse mit Dr. Schumacher

In den Boomjahren vor 2008, als der Welthandel florierte und riesige Warenmengen kreuz und quer über alle Meere transportiert wurden, kamen geschlossene Schiffsfonds in Mode. Vielen österreichischen Anlegern wurden diese Beteiligungen von ihren Banken und Anlageberatern wärmstens empfohlen. Jetzt mehren sich die schlechten Nachrichten für Schiffsfonds-Anleger, und Konsumentenschützer befürchten den nächsten Finanzskandal.


© ORF-help Beitrag vom 20. April 2013 (Rumpold/Rechtskonsulent Schumacher)

Karin K. vertraute seit vielen Jahren den Anlageempfehlungen ihres Beraters bei der Wiener Raiffeisenlandesbank. 2006, sie sei damals Anfang 60 gewesen, habe sie ihn gebeten, einen Teil ihrer Ersparnisse zur Vorsorge anzulegen, schrieb Frau K. an die help-Redaktion: "Der Berater sagte, dass er etwas viel Besseres für mich hat und hat mir u.a. eine Beteiligung beim Frachtschiff "Merkur Sky" des deutschen Emissionshauses MPC vorgeschlagen. Er hat behauptet, dass dieses Produkt genauso abgesichert ist wie ein Sparbuch, nur würde ich eine bessere Verzinsung bekommen."

Schlechte Nachrichten

Die anfänglichen Ausschüttungen wurden nach rund zwei Jahren eingestellt, vor kurzem wurde Karin K. mitgeteilt, dass die "Merkur Sky" insolvent sei und verschrottet werden müsse. Das eingesetzte Kapital sei verloren. Karin K. fühlt sich schlecht beraten und will ihr Geld zurück. Ein Vorwurf, den die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien AG in einer Stellungnahme an die help-Redaktion zurückweist. Dem Erwerb der MPC-Beteiligungen seien ausführliche Beratungsgespräche vorausgegangen, in denen auch auf die Risiken hingewiesen worden sei, heißt es da unter anderem. Frau K. sei in Veranlagungsgeschäften erfahren und habe auch immer wieder eine höhere Risikobereitschaft bewiesen. Eine Fehlberatung sei daher nicht nachvollziehbar. Schuld an der aktuell unerfreulichen Situation sei die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage seit 2007.

Grundidee geschlossener Fonds

Die österreichischen Gerichte werden sich in nächster Zeit mit vielen solcher Fälle beschäftigen, vermutet help-Rechtskonsulent Sebastian Schumacher. Die Tücken dieser geschlossenen Fonds kommen nämlich erst nach und nach zutage: "Die Grundidee ist immer die", sagt der Jurist, "man versucht einen bestimmten Kapitalbetrag aufzubringen, um dann eben dieses Kapital entweder in eine Immobilie oder z.B. in ein Schiff zu investieren. Wenn das Eigenkapital aufgebracht ist, dann wird der Fonds geschlossen, deshalb auch der Name „geschlossener Fonds“.

Grauer Kapitalmarkt

In Deutschland ist diese Anlageform weit verbreitet, in Österreich wurde sie in den vergangenen zehn Jahren von verschiedenen deutschen Emissionshäusern in Kooperation mit österreichischen Banken und Anlageberatern auf den Markt gebracht. Schätzungen zufolge wurde von österreichischen Anlegern rund eine Milliarde Euro in geschlossenen Fonds angelegt. Da sie zum sogenannten grauen Kapitalmarkt gehören, muss über einen geschlossenen Fonds zwar ein Prospekt erstellt werden, die Geschäftstätigkeit unterliegt aber keiner staatlichen Kontrolle.

Risikoreiche Produkte

Insgesamt handelt es sich um risikoreiche Produkte, wie der help-Jurist erklärt: "Geschlossene Fonds sind Unternehmensbeteiligungen und ein Anleger muss immer damit rechnen, dass das gesamte Geld, das er hier investiert, auch verlorengehen kann. Geschlossene Fonds sind deshalb nach der Rechtsprechung des Deutschen Bundesgerichtshofes zur Altersvorsorge ungeeignet.
Nun gab es in der Anfangszeit für Anleger noch Ausschüttungen. Wurden diese Ausschüttungen aber nicht aus Gewinnen, sondern aus dem Eigenkapital gezahlt, können sie bei manchen Produkten zurückgefordert werden. Ein weiterer Nachteil geschlossener Fonds: Sie sind kaum weiter zu verkaufen, weil sie nicht an der Börse gehandelt werden.

Und auch die Laufzeiten der Fondsbeteiligungen sind eine trügerische Sache, erklärt Schumacher: "Viele Anleger haben geglaubt, am Ende dieser Laufzeit würden sie ihre Einlage zurück bekommen. Das ist aber nicht so. In den meisten Gesellschaftsverträgen steht drinnen, dass man zu einem bestimmten Zeitpunkt erstmals kündigen kann. Es gibt dann oft eine sehr lange Kündigungsdauer, dann wird ein Auseinandersetzungsguthaben bestimmt und der einzelne Anleger oftmals in Ratenzahlungen abgefunden. Und wenn die wirtschaftliche Situation des Fonds schlecht ist oder alle zum gleichen Zeitpunkt kündigen, kann es sein, dass man hier überhaupt nichts mehr herausbekommt.

Spezieller Fall

Die "Merkur Sky" des Emissionshauses MPC, die Karin K. empfohlen wurde, ist nach Einschätzung des Wirtschaftsprüfers und Gutachters Manfred Biegler ein spezieller Fall. Beim vorliegenden Schiffsbeteiligungsmodell handle es sich um den Erwerb eines gebrauchten Schiffes, erklärt er, das bereits in einer anderen Fondsgesellschaft durch Jahre hindurch gelaufen sei und dann relativ teuer zum Nachteil der Anlegerin abgeschichtet worden sei.

Das Schiff wurde um rund 40 Millionen Euro angekauft, ein wesentlicher Teil des Ertragswertes, ein fünfjähriger Chartervertrag, wurde in das Beteiligungsmodell eingepreist, erklärt Gutachter Biegler. Die finanzierende Bank hatte eine Laufzeit von acht Jahren vorgesehen, sichere Geschäfte gab es aber nur für fünf Jahre – eine mögliche Deckungslücke war also von Anfang an evident. Auf die Frage, ob es bei diesem Modell selbst unter bestmöglichen Bedingungen Aussichten auf Gewinn gegeben hätte, die klare Antwort des Wirtschaftsexperten Biegler: "Aus meiner Sicht nein."

Dem widerspricht Kurt Cowling, der Geschäftsführer der österreichischen MPC-Repräsentanz. Die "Merkur Sky" sei nicht wegen grundsätzlicher Schwächen des Fondsmodells insolvent geworden, sagt er, sondern alleine wegen der langen und tiefen Wirtschaftskrise.

Schadenersatzansprüche prüfen

Was kann nun ein geschädigter Anleger tun? Sebastian Schumacher: "Wenn jemand beim Kauf der Fondsbeteiligung vom Anlageberater oder der Bank nicht korrekt über die Risiken seiner Beteiligung aufgeklärt worden ist, dann hat der Anleger Anspruch auf Schadenersatz. Das bedeutet, er kann verlangen, dass der Anlageberater oder die Bank seine Fondsbeteiligung zurücknimmt und er seine Einlage abzüglich der erhaltenen Ausschüttungen zurückbekommt."

Ob im Einzelfall eine Fehlberatung vorlag oder nicht, muss im Streitfall im Rahmen des Gerichtsverfahrens geklärt werden. Nach Ansicht des Juristen ist Karin K. kein Einzelfall. Vielen Anlegern werde erst jetzt bewusst, da Ausschüttungen ausbleiben und manchmal sogar Nachschüsse eingefordert werden, dass sie mit geschlossenen Fonds riskante Produkte gekauft haben.

Und Schiffsfonds sind bei weitem nicht die einzigen geschlossenen Fonds, die verkauft wurden. Da gibt es auch noch geschlossene Immobilienfonds und Lebensversicherungsfonds, bei denen sich laut Sebastian Schumacher ähnliche Probleme auftun.

Hinweis für geschädigte Anleger

Die Kanzlei Schumacher ist auf die Vertretung geschädigter Anleger spezialisiert. Wenn Sie im Zusammenhang mit dem Erwerb eines geschlossenen Schiffs- oder Immobilienfonds geschädigt worden sind oder Ausschüttungen von Ihnen zurückgefordert werden, stehen wir Ihnen für die Durchsetzung Ihrer Ansprüche zur Verfügung.

Gerne klären wir mit Ihnen im Rahmen einer kostenlosen Ersteinschätzung ab, welche Möglichkeiten für Ihren Fall bestehen. Für Rechtsschutzversicherte übernehmen wir die Deckungsanfrage. Schicken Sie uns Ihre unverbindliche Anfrage oder rufen Sie uns an: 01-890 89 65.