Verkauf von riskanten Fonds endet vor Gericht

VKI bringt mit Wiener Rechtsanwalt Sebastian Schumacher Klagen gegen Raiffeisen und Hypo Steiermark ein.


© Salzburger Nachrichten 22. Juli 2014

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) geht im Namen von Kunden, die mit der Anlage in geschlossene Fonds Geld verloren haben, gerichtlich gegen zwei Raiffeisenbanken sowie die Hypo Steiermark vor. Anders als 80 Prozent aller betroffenen Banken hätten sich diese Institute nicht zu Vergleichsgesprächen bereit gezeigt, sagt Peter Kolba, Leiter der VKI-Rechtsabteilung.

Der Wiener Rechtsanwalt Sebastian Schumacher hat im Auftrag des VKI gegen zwei Raiffeisenkassen in den niederösterreichischen Gemeinden Haidershofen und Poysdorf Klagen mit einem Streitwert von je 15.000 Euro eingebracht. In beiden Fällen geht es um Investments in zwei Immobilienfonds des Hamburger Anbieters MPC. Die Raika Haidershofen hatte den Holland-Fonds MPC 51 einem Kunden als „sichere und ertragreiche Anlage“ dargestellt, „die für die Altersvorsorge bestens geeignet“ sei. Der Fonds schüttet mittlerweile keine Erträge aus, der VKI spricht von Falschberatung.

Ganz ähnlich stellt sich der Fall bei der Raika Poysdorf dar. Sie verkaufte den MPC Holland 59 einem Kunden als Produkt mit „stetig steigenden Erträgen“ und „sehr geringem Risiko“. Im Prospekt wird er als „konservatives Investment“ angeboten, tatsächlich handelt es sich laut VKI um eine hochriskante Veranlagung mit dem Risiko eines Totalverlusts. Anlegern wurden im Durchschnitt Ausschüttungen von 7,48 Prozent pro Jahr in Aussicht gestellt, derzeit sind die Ausschüttungen aber ausgesetzt.

Auch den Rechtsstreit mit der steirischen Hypothekenbank trägt der VKI vor Gericht aus. Laut Kolba hat die Hypo die Bedingungen für direkte Vergleichsgespräche abgelehnt. Konkret es um die Zusage, keine Direktgespräche mit betroffenen Kunden zu führen, sowie um einen Verjährungsverzicht für die Dauer der Gespräche. Unterstützt vom Prozessfinanzierer Foris bereitet der VKI für 27 Betroffene für September eine Sammelklage gegen die Hypo vor, der Schaden wird mit drei Mill. Euro beziffert. Ein Sprecher der Hypo sagt, man sei weiter gesprächsbereit, ein Vergleich sei aber so lang nicht möglich, als man „keine konkreten Beschwerdefälle“ kenne und auch nicht wisse, um welche Kunden und welche Produkte es gehe.

In einer Sammelaktion hat der VKI für 700 Geschädigte Rahmenvergleiche über 7 Mill. Euro erzielt.