Schwindel mit Wald- und Holzinvestments

Wald- und Holzinvestments wurden in den letzten zehn Jahren auch in Österreich beworben. Versprochen wurden tolle Renditen durch ökologisches Investieren in Holzplantagen. Tatsächlich handelte es sich um hochriskante Investments mit unrealistischen Ertragskonzepten. Häufig sind die Vertragsabschlüsse unter fragwürdigen Umständen zu Stande gekommen und anfechtbar.


Wien, am 26. September 2019

Holz- und Waldinvestments waren in den letzten Jahren ein wachsender Nischenmarkt für Interessierte an einem grünen Investment. „Mit Teak aus nachhaltig bewirtschafteten Plantagen in Brasilien wollen wir eine Vielzahl von Menschen ein sicheres und profitables Investment ermöglichen, das gleichzeitig ökologisch Sinn macht.“ – so die Botschaft eines Anbieters. Das Konzept: Anleger sollten das Eigentum an Setzlingen erwerben. Nach 5-10 Jahren bei schnell wachsendem Holz (z.B. Balsa) oder nach bis zu 20 Jahren (z.B. Teakholz) sollten die Bäume geschlägert und der Verkaufserlös an die Anleger fließen. Sicherheit soll durch das Eigentum an den Bäumen und steigenden Holzpreisen gewährleistet sein.

Dubiose Angebote

Tatsächlich sind Investitionen in Edelhölzer hochriskante Beteiligungen, weil sich die Entwicklung des Holzpreises über längere Zeiträume nicht vorhersehen lässt. Dazu kommt, dass vielen Angeboten unrealistische Annahmen zu Grunde liegen und von dubiosen Unternehmen stammen.

Über fragwürdige Vertragsklauseln („Der Kauf von Bäumen ist ein sachenrechtliches Geschäft und keine Investition in ein Finanzprodukt“) versuchen viele Anbieter, ihre Angebote an der Prospektpflicht und der behördlichen Aufsicht vorbeizumogeln. Die deutsche Finanzdienstleistungsaufsicht BaFIN ist dagegen wiederholt vorgegangen und hat etwa den populären Anbietern ShareWood Switzerland AG (Bescheid) oder Life Forestry Switzerland AG (Bescheid) untersagt, ihre Veranlagungen in Deutschland anzubieten.

Aber auch bei Anbietern, die der Prospektpflicht nachkommen, sind die Angebote mangelhaft. Die deutsche Zeitschrift Finanztest kam im Jänner 2018 zu einem ernüchternden Urteil: „Selbst Anbieter wie Miller Forest und Forest Finance, die aus unserer Sicht zu den Seriösen zählen, ist es nicht gelungen, ihre Projekte nachvollziehbar darzustellen. Alle Angebote schnitten in fast allen Prüfbereichen mangelhaft ab.“ Der ironische Ratschlag von Finanztest: „Sie wollen in Waldinvestments anlegen, weil Sie der Natur helfen wollen? Wegen der Risiken der Anlage sollten Sie nur Geld anlegen, wenn Sie auch bereit wären, den Betrag zu spenden.“

Typische Probleme

Nach den uns vorliegenden Fällen treten immer wieder dieselben Probleme auf:

  • Hochriskante Veranlagungen: Die Holz- und Waldinvestments werden als sichere Veranlagungen dargestellt, die manigfaltigen Risiken werden den Anlegern verschwiegen. Weder gibt es einen Kapitalmarktprospekt, noch ein Risikoblatt oder ein Anlegerprofil. Damit verstoßen die Angebote in Österreich gegen zwingende Bestimmungen des Kapitalmarktrechtes.
  • Fernabsatzgeschäfte: Die Geschäfte werden häufig im Fernabsatz oder über Telefonanrufe abgeschlossen. Wer schon eine Beteiligung hat, wird telefonisch immer wieder kontaktiert und aufgefordert, weitere Bäume zu kaufen. Auch diese Vorgangsweise verstößt gegen zwingende Verbraucherschutzvorschriften.
  • Sündteure Setzlinge: Das Geschäft der Anbieter liegt darin, den Anlegern Setzlinge oder Jungbäume zu verkaufen, die in 10 bis 20 Jahren als wertvolle Edelhölzer geerntet werden sollen. Ausgepflanzt wird auf Pachtgrundstücken, der Anleger erwirbt also nicht einmal Eigentum an den Wäldern und ist weitgehend rechtlos. Für einen Hektar Teakholzsetzlinge auf Pachtgrund in Südamerika zahlt der Anleger zwischen 20.000 bis 30.000 Euro! Ein Setzling wird den Anlegern um rund 20 Euro verkauft, ein Vielfaches seines tatsächlichen Preises. Zum Vergleich: In Österreich kostet ein Hektar Wald je nach Erhaltungszustand und Lage zwischen 10.000 und 20.000 Euro. Damit erwirbt man aber keine Setzlinge, sondern ausgewachsene Bäume und Eigentum an Grund und Boden!
  • Geschönte Renditeversprechen: Die Angebote werden mit hohen Renditen beworben, die einem Realitätscheck nicht standhalten. Transparente Ertragsrechnungen fehlen. Es gibt weder Wertgutachten zum Ankaufswert der Bäume noch aussagekräftige Markteinschätzung zur Entwicklung des Holzpreises. Die Kosten der Schlägerung, Verarbeitung und des Transports der Edelhölzer werden zu gering angegeben.

Anfechtbare Verträge

Österreichische Verbraucher haben Wald- oder Holzinvestments in der Regel mit Anbietern aus der Schweiz oder Deutschland abgeschlossen. Häufig wurden dabei die zwingenden Bestimmungen des österreichischen Kapitalmarkt- und Verbraucherrechts verletzt, weshalb die Vertragsabschlüsse angefochten werden können. Bei einer Rückabwicklung ist Anlegern der volle Investitionsbetrag zuzüglich Zinsen zurückzuzahlen.

Die Kanzlei Schumacher ist auf die Vertretung von Anlegern und Verbraucherorganisationen spezialisiert. Sollten Sie einen Schaden aus einem Wald- oder Holzinvestment befürchten, stehen wir Ihnen gerne für eine unverbindliche Einschätzung zur Verfügung.