Musterprozess gegen Hypo Steiermark gewonnen

Der Verein für Konsumenteninformation führt im Auftrag des Sozialministeriums einen Musterprozess gegen die Hypo Steiermark. Der VKI wird von der Kanzlei Schumacher vertreten. Verlangt wird Schadenersatz wegen falscher Anlageberatung im Zusammenhang mit dem erwerb von drei MPC-Fonds. In erster Instanz wurden nur 50 Prozent zugesprochen, weil ein Mitverschulden angenommen wurde. Das Berufungsgericht spricht nun aber 100 Prozent zu und hat die ordentliche Revision zugelassen.


Wien, am 20. Juni 2016

Ein Lehrerehepaar hat in den Jahren 2004 - 2005 über Beratung eines Bekannten, der als Finanzberater bei der Hypo Steiermark tätig war, drei MPC-Fonds erworben: Holland 53, Mahler Star, Leben Plus V. Dem Ehepaar war wesentlich gewesen, dass die Anlage sicher und ertragreich sei; das hat der Berater auch zugesagt. Nur ein Krieg könne zu einem Totalverlust führen.

Diese Erwartung wurde schwer enttäuscht: Beim Holland 53 werden nun sogar geleistete Ausschüttungen zurückgefordert und auch die beiden anderen Veranlagungen stellten sich als erheblich riskanter heraus, als seinerzeit dargestellt.

Das Ehepaar hat seine Schadenersatzansprüche dem VKI abgetreten und der VKI hat die Hypo Steiermark auf Zahlung geklagt.

In erster Instanz ging das Gericht zwar von Beratungsfehlern aus, sah aber ein Mitverschulden von 50 Prozent bei der Anlegern und sprach daher auch nur 50 Prozent des verlangten Schadenersatzes zu (Nachlese).

Das Oberlandesgericht Graz (OLG Graz) hat nun aber den Einwand des Mitverschuldens verworfen.

Das OLG Graz sprach in seinem Urteil vom 20. Mai 2016 (2 R 6/16v) den gesamten Schadenersatz zu, weil es von einer falschen Anlegerberatung ausging.

Aufklärungspflicht bei hohen Weichkosten

Der Berater hatte dem Ehepaar die besonders hohen Weichkosten (Kosten die zu Beginn und während der Verwaltung eines Fonds anfallen) bei den MPC-Fonds nicht hingewiesen. Das Gericht folgt der Rechtsprechung des deutschen Bundesgerichtshofes (BGH), wonach ein Anleger über eine Weichkostenbelastung von über 15 Prozent jedenfalls zu informieren sei (BGH III ZR 359/02). Für die Anlageentscheidung ist nach dem BGH von wesentlicher Bedeutung und damit aufklärungspflichtig, in welcher Höhe der Anlagebetrag nicht dem Kapitalstock der Anlage zufließt oder nicht in den Gegenwert der Immobilien investiert wird.

Das Verfahren ergab, dass der Hypo-Berater zwar über das Agio von 5% Bescheid wußte, jedoch nichts über andere Weichkosten, über die er hätte aufklären müssen. Der Berater hatte den entsprechenden Kapitalmarktprospekt nie gesehen. Die Beratung allein aufgrund der Informationen des Verkaufsprospektes durchzuführen, ohne sich aufgrund des entsprechenden Kapitalmarktprospektes einen Überblick über das Produkt verschafft zu haben, widerspricht der durchschnittlichen Sorgfalt eines Anlageberaters, stellt das Gericht fest.

Tasächlich betrugen die Weichkosten (inkl. Agio) bei Holland 53 21%, bei Mahler-Star 34% und bei Leben Plus V 17%. Hätte das Ehepaar darüber Bescheid gewußt, dann hätten Sie nie diese Veranlagung gezeichnet. Das begründet die Haftung der Bank.

Unser Angebot

Die Kanzlei Schumacher vertritt bereits zahlreiche Geschädigte von MPC-Fonds. Auch andere MPC Fonds sind mit Weichkosten von über 15% des Anlegerkapitals belastet - worüber unserer Ansicht nach aufgeklärt hätte werden müssen.

Wenn auch Sie im Zusammenhang mit dem Erwerb von MPC Fonds geschädigt worden sind oder Ausschüttungen von Ihnen zurückgefordert werden, stehen wir Ihnen für die Durchsetzung Ihrer Ansprüche zur Verfügung.

Gerne klären wir mit Ihnen im Rahmen einer kostenlosen Ersteinschätzung ab, welche Möglichkeiten für Ihren Fall bestehen. Für Rechtsschutzversicherte übernehmen wir die Deckungsanfrage. Schicken Sie uns Ihre unverbindliche Anfrage oder rufen Sie uns an: 01-890 89 65.