Gewährleistung oder Garantie: Qual der Wahl

Haftet der Händler oder der Hersteller? Und gilt nun die Garantie oder die Gewährleistung? Das ist nicht nur den Verbrauchern häufig unklar, auch die Händler scheinen den Unterschied zwischen Gewährleistung und Garantie nicht immer zu kennen.


© ORF-help Beitrag vom 25. April 2015 (Blaha/Rechtskonsulent Schumacher)

Wer ein neues Produkt erwirbt, hat Anspruch auf Gewährleistung und bekommt meist auch eine Herstellergarantie auf das Produkt. Die zwei Begriffe werden häufig verwechselt, beziehungsweise durcheinandergebracht. "Wenn innerhalb von zwei Jahren ein Mangel zum Vorschein kommt, der zum Zeitpunkt der Übergabe bestanden hat, hat ein Kunde einen gesetzlichen Gewährleistungsanspruch", sagt Help-Rechtskonsulent Sebastian Schumacher.

Gewährleistung ist Konsumentenrecht

Die Gewährleistung ist ein gesetzlich festgeschriebenes Recht der Konsumenten gegenüber dem Händler, der das entsprechende Produkt verkauft hat. Im Gegensatz zur Herstellergarantie. "Sie stellt eine freiwillige Erklärung eines Herstellers dar, für ein bestimmtes Produkt, für einen ganz bestimmten Zeitraum zu haften. Die kann ganz frei ausgestaltet werden und muss auch überhaupt nicht gegeben werden.

Beweislastumkehr nach sechs Monaten

Der Gewährleistungsanspruch besteht grundsätzlich zwei Jahre lang. Eine realistische Chance darauf, diesen auch durchzusetzen, hätten Konsumenten aus Sicht des Help-Rechtskonsulenten allerdings nur während der ersten sechs Monate. Während dieses Zeitraums gilt, dass der Händler beweisen muss, dass das Produkt zum Zeitpunkt der Übergabe mangelfrei war. Nur wenn ihm das gelingt, ist der Händler aus der Gewährleistungspflicht entlassen. Nach sechs Monaten steht der Kunde in der Beweispflicht und muss nachweisen, dass die Ware beim Kauf bereits mangelhaft war. Diesen Beweis, dass etwa ein technisches Gerät schon lange defekt ist, ist in der Praxis für den Konsumenten kaum zu erbringen.

Garantie nach halbem Jahr

"Gerade bei günstigen technischen Geräten, wäre die Einholung eines Sachverständigengutachtens, um zu klären, wann nun der Mangel vorgelegen hat, weit teurer als der eigentliche Preis der Geräte", so Schumacher. Zwei Jahre Gewährleistungsfrist hin oder her. Aus Sicht unseres Rechtskonsulenten empfiehlt sich in den meisten Fällen bereits nach sechs Monaten die Inanspruchnahme der Garantie. Deren Bedingungen kann der Hersteller frei festlegen. "Im Normalfall ist es bei der Garantie aber so, dass es nicht darauf ankommt, ob ein Produkt zum Zeitpunkt der Übergabe mangelhaft war, sondern dass nur innerhalb eines Garantiezeitraums ein Mangel auftritt und dieser Beweis ist für einen Konsumenten natürlich sehr leicht zu führen", sagt der Jurist.

Unterbrechen der Gewährleistungskette

Der Nachteil ist, dass damit die Gewährleistungskette unterbrochen wird. "Wenn ein Gerät im Rahmen einer Garantie ausgetauscht wird und dann nochmals defekt wird, dann haftet der Händler für den nochmaligen Defekt nicht mehr", sagt Sebastian Schumacher.

Grundsätzlich also gilt: Wenn bei einem Produkt der Defekt innerhalb der ersten sechs Monate auftritt, sollte man auf die Gewährleistung pochen und sich vom Händler nichts anderes einreden lassen. Danach empfiehlt es sich eher die Herstellergarantie in Anspruch zu nehmen.