Ansprüche bei nicht auftragsgemäßem Fenstereinbau

Wer sich von einer Fensterfirma neue Fenster in sein Haus einbauen lässt, hat natürlich Anspruch auf eine auftragsgemäße Ausführung. Doch was ist, wenn die Handwerker die Fenster anders einbauen als vereinbart, mit schlechteren Qualität inklusive der Gefahr der Kondenswasser- und Schimmelbildung? Im Zuge der Gewährleistung hat man Anspruch auf Mangelbehebung, doch dies durchzusetzen kann bei fertig montierten Bauteilen schwierig werden.


Nachlese des help-ORF Beitrags vom 28.05.2011

Josef B. hat vor knapp einem halben Jahr bei der Firma "alles FENSTER" in Königstetten in Niederösterreich für seine Wohnung neue Fenster um 6.000 Euro bestellt. Vereinbart wurde auch ein qualitativ besserer Ö-Norm-Einbau, mit einem Aufschlag von rund 300 Euro.

Fenster "zu groß"

Mitte Dezember wurden die Fenster schließlich montiert und der Kunde bemerkte, "dass die Monteure diese Ö-Norm-Montage nicht durchgeführt haben und die Antwort auf meine Frage warum nicht war, dass es nicht möglich sei, weil die Fenster zu groß seien". Was offenbar an einem Vermessungsfehler der Fensterfirma gelegen war.

Keine Reaktion auf Reklamation

Aufgrund des bereits erfolgten Ausbaus der alten Fenster und weil die Geburt eines Kindes ins Haus stand, sah Herr B. keine andere Möglichkeit, als die nicht vereinbarte Montage mit einem schlechteren Dämmwert sowie der Gefahr der Kondenswasser- und Schimmelbildung fertigstellen zu lassen.

Wenig später reklamierte er den falschen Einbau, worauf allerdings nicht eingegangen wurde. Anfang April kam die Rechnung, bei der die ursprünglich vereinbarte Ö-Norm-Montage einfach nicht verrechnet wurde. Erklärung oder gar Lösungsvorschlag gab es nicht, also wandte sich Herr B. an help.

Vorgangsweise "nicht sehr professionell"

Wir fragten bei "alles FENSTER" nach und in einer E-Mail-Stellungnahme wurde uns erklärt, man habe die Arbeiten von einem Partnerbetrieb durchführen lassen, der die Fenster eigenmächtig und ohne Rücksprache falsch montiert hätte.

Weiters heißt es in der Erklärung im Hinblick auf andere ebenfalls festgestellte Mängel bei der Fenstermontage: "Ich muss mich aber für die Nichtbeantwortung des Mails von Herrn B. entschuldigen, ich wollte zuerst die Produktmängel behoben wissen um dann die Montagemängel zu beheben. Diese Vorgangsweise ist leider nicht sehr professionell und ich möchte mich auch dafür entschuldigen."

Reparatur oder Preisminderung?

Im Rahmen der Gewährleistung wäre natürlich auch der falsche Einbau zu korrigieren, sagt der help-Jurist Sebastian Schumacher: "Wenn aber eine Reparatur zu aufwendig wäre und deshalb für den Unternehmer nicht zumutbar, dann kommt nur eine Preisminderung in Frage. Für die Preisminderung ist der objektive Wert des mangelhaft durchgeführten Werks festzustellen. Notfalls ist dafür auch ein Sachverständiger beizuziehen."

Der Verzicht auf den 300-Euro-Aufschlag für die geplante bessere Montage alleine reicht jedenfalls nicht.

Neuerliche Baustelle in der Wohnung

Die Fensterfirma hat dem Kunden jetzt angeboten, den Fenstereinbau nachträglich so zu adaptieren, dass er dem Ö-Norm-Einbau "nahezu" gleichkomme, wozu Herr B. allerdings meint: "Das Problem ist, dass ein nochmaliges Aufstemmen mit viel Lärm, Staub verbunden wäre, was angesichts, dass wir ein kleines Kind nun haben natürlich sehr unkomfortabel wäre."

Dazu erklärt der help-Rechtsberater Schumacher, Unannehmlichkeiten bei Gewährleistungsreparaturen müssten prinzipiell hingenommen werden: "Wenn aber schon im Vorhinein klar ist, dass diese Unannehmlichkeiten so gravierend sind, dass sie eigentlich unzumutbar sind, dann bedeutet dies, dass ein Kunde keine Reparatur akzeptieren muss, sondern sofort die Preisminderung verlangen kann."

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