12.03.2013 22:45 Alter: 6 yrs

MPC Reefer Flottenfonds 1 in Seenot

Kategorie: Anlegerschutz, Immobilien und Schiffsfonds, Banken und Kredit, MPC-Fonds

Der MPC-Reefer-Flottenfonds 1 wurde auch österreichischen Konsumenten verkauft. Im Dezember 2012 wurden Anleger zum Kapitalnachschuss aufgefordert. Die Fondsgesellschaft drohte andernfalls mit einer Insolvenz des Fonds und dem Zwangsverkauf der Schiffe. Anleger fürchten nun den Totalverlust ihrer Einlage. Zudem droht die Gefahr der Rückforderung der erhaltenen Ausschüttungen. Es stellt sich die Frage, wer für diese Schäden haftet.

Wien, am 12. März 2013

Die MPC Beteiligungsgesellschaft Reefer-Flottenfonds mbH & Co. KG wurde vom Emissionshaus Muenchmeyer Petersen Capital AG in Hamburg im Jahr 2006 aufgelegt und an Privat- und Kleinanleger in Deutschland und Österreich vertrieben. In Österreich erfolgte der Vertrieb über die Raiffeisen-Gruppe.

Die Fondsgesellschaft investierte das Fondskapital in 14 Kühlschiffe, sogenannte Reefer, welche mit dem Ziel der Erwirtschaftung von Fondseinnahmen verchartert werden sollten. Reefer kamen hauptsächlich für den Kühltransport von Bananen zum Einsatz.

Versprochen wurde den Anlegern regelmäßige jährliche Ausschüttungen in Höhe von durchschnittlich 10% jährlich, die bis auf 21% pro Jahr steigen sollten, und dies bei einer überschaubaren Laufzeit des Schiffsfonds von 14 Jahren. Geworben wurde mit einer hohen Einnahmesicherheit durch eine sogenannte „Poolraten-Garantie“, durch die bereits in den ersten fünf Jahren der Fondslaufzeit Mindesteinnahmen aus dem Pool garantiert seien.

Anleger wurden oft falsch beraten

Bei der MPC Reefer Flotte 1 handelt es sich um eine hochspekulative Veranlagung. Trotzdem berichten geschädigte Anleger, dass ihnen von ihren Bankberatern die Risikolosigkeit der Veranlagung zugesichert wurde. Die Beteiligung wurde sogar als Altersvorsorge oder Sparanlage vermittelt.

Demgegenüber wurde über die tatsächlichen Verlustrisiken, die Risiken aufgrund der Finanzierung der Fondsgesellschaft in YEN und die Risiken einer unternehmerischen Beteiligung, die Beteiligung an einer deutschen Kommanditgesellschaft, regelmäßig nicht ausreichend aufgeklärt oder diese Risiken von den Beratern verharmlost.

Zu einer erheblichen Wertaushöhlung der Beteiligung führte bereits die enorm hohe Vertriebsprovision dieses Schiffsfonds. Neben dem ebenfalls von den Anlegern zu zahlenden 5%-igen Agio flossen über 20% der Einlage als Provision an den Vertrieb! In keinem der uns vorliegenden Fälle erfolgte ein ordnungsgemäßer Hinweis der Berater auf diesen Umstand!

Schon aufgrund der hohen Fremdkapitalquote des Reefer Fonds (64% der Gesamtinvestition!) muss dieser Schiffsfonds von Anfang an als hochriskante und hochspekulative Kapitalanlage bezeichnet werden. Eine Vermittlung eines solchen Fonds als Sparanlage oder Altersvorsorge verbot sich damit von Anfang an. Statt der gesetzlich geforderten Risikoaufklärung bekamen die Kunden oft nur einen Hochglanzprospekt, in dem die Risiken nur unzureichend beschrieben waren.

Besonders gravierend: Die Konzeption des Fonds sah vor, dass Anleger von Anfang an die versprochenen Ausschüttungen auch bei Erwirtschaftung von Verlusten erhalten. Anleger wurden nicht darüber informiert, dass das zu einer Aushöhlung des Eigenkapitals führt und diese Ausschüttungen im Insolvenzfall zurückgezahlt werden müssen.

Aktuelle Situation der Anleger

Nicht zuletzt aufgrund des weltweiten Einbruchs der Charterraten von Containerschiffen geriet der MPC Reefer Flottenfonds 1 in die Krise. Auch das Fremdwährungsrisiko des Fonds hat sich durch den Kursanstieg des Yen gegenüber dem Euro voll verwirklicht. Wie lange die Fondsgesellschaft mit ihren Einnahmen das aufgenommene Schiffshypothekendarlehen wird bedienen können, ist derzeit ungewiss. Da das Darlehen jedoch noch längst nicht zurückgezahlt worden ist, steht zu befürchten, dass die Anleger im Insolvenzfall vollständig leer ausgehen.

Ebenso stürzte der Zweitmarktpreis der Fondsanteile am Reefer Flottenfonds 1 in den Keller. Während der Fonds im Jahr 2006 noch in Höhe von 90% der Einlage gehandelt wurde, liegen die aktuelle wenn überhaupt zu erzielenden Wiederverkaufspreise der Fondsanteile bei nur 3% (!) der Einlage. Dies kommt einem Totalverlust der Einlage gleich.

Anleger der verschiedenen in Österreich vertriebenen Schiffs- und Immobilienfonds werden derzeit mit einer Vielzahl von Anlegerrundschreiben überzogen, ohne dass für die Anleger klar ersichtlich ist, wer und welche Interessen wirklich hinter solchen Schreiben stehen. Lassen Sie sich insoweit nicht unter Druck setzen sondern lassen Sie sich sorgfältig beraten, bevor Sie weitere Schritte unternehmen! Ein Hinweis in diesem Zusammenhang: Auch wenn es sich hier um deutsche Anlageprodukte handelt, können sich österreichische Anleger bei ihrer Interessenwahrnehmung vor österreichischen Gerichten nur von österreichischen Rechtsanwälten vertreten lassen.

Welche Rechte haben falsch beratene Anleger?

Schadenersatz wegen Fehlberatung: Wurden Anleger bei der Vermittlung der MPC-Fonds nicht korrekt über bestehende Risiken oder Nachteile aufgeklärt, haben sie Ansprüche gegen ihren Anlageberater oder gegen ihre Bank. Gefordert werden kann die Rückzahlung der Einlage samt entgangenem Zinsgewinn gegen Rückgabe der Fondsbeteiligung.

Abwehr der Rückforderung von Ausschüttungen: Anleger, von denen bereits erhaltene Ausschüttungen zurückgefordert werden, sollten nicht klein beigeben. Die Rückforderung wäre nur berechtigt, wenn Ausschüttungen wirtschaftlich eine Rückzahlung der Einlage darstellen und Anleger dies hätten erkennen müssen.

Unser Angebot

Wir sind als Rechtsanwaltskanzlei auf die Vertretung geschädigter Anleger spezialisiert. Schadensfälle mit geschlossenen Fondsbeteiligungen sind in Österreich ein junges Thema, in Deutschland jedoch schon seit mehr als 15 Jahren Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen. Daher stehen wir in ständigem Austausch mit deutschen Fachanwälten für Bank- und Kapitalmarktrecht. Dr. Schumacher hat 2011 in einer Berliner Anlegerschutzkanzlei solche Schadensfälle bearbeitet und ist Mitglied des Deutschen Anwaltverein (ArGe Bank- und Kapitalmarktrecht).

Wenn Sie mit einem Schiffs- oder Immobilienfonds einen Schaden erlitten haben (oder einen solchen befürchten), helfen wir Ihnen bei der Durchsetzung Ihrer Ansprüche. Gerne klären wir mit Ihnen im Rahmen einer kostenlosen Ersteinschätzung ab, welche Möglichkeiten für Ihren Fall bestehen. Für Rechtsschutzversicherte übernehmen wir die Deckungsanfrage.

Achtung Verjährung!

Wenn Sie falsch beraten worden sind, ist es wichtig, dass Sie rasch handeln: Die Verjährung beginnt ab dem Zeitpunkt zu laufen, ab dem ein Anleger erkennen kann, dass er falsch beraten wurde, nicht erst dann, wenn der Fonds mit Verlust verkauft wird. Wer sich vertrösten lässt oder zu lange wartet, läuft Gefahr, dass seine Ansprüche verjähren.

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