07.05.2014 23:31 Alter: 5 yrs

Skandal um MPC Holland 53 – „Geordnete Abwicklung“ zu Lasten der Anleger

Kategorie: Anlegerschutz, Banken und Kredit, Immobilien und Schiffsfonds, MPC-Fonds

Der Immobilienfonds MPC Holland 53 ist am Ende. Durch einen Verkauf der Fondsimmobilien sollen die Darlehensverbindlichkeiten des Fonds getilgt werden. Allerdings teilt die Fondsgesellschaft mit, dass der Verkaufserlös der Immobilien nicht ausreichen wird, um alle Verbindlichkeiten zu begleichen. Nun werden die Anleger zur Kasse gebeten.

Wien, am 7. Mai 2014

Die Lage bei der  MPC Dreiundfünfzigste Sachwert-Rendite-Fonds Holland GmbH & Co. KG ist weiterhin dramatisch (wir haben bereits im Juni 2013 berichtet). Laut dem Geschäfts- und Treuhandbericht vom 30. April 2014 hat die Fondsgesellschaft seit Oktober 2013 offenbar keine Zins- und Tilgungsleistungen an die den Fonds finanzierenden Banken, die IKB Deutsche Industriebank AG und die Deutsche Genossenschafts-Hypothekenbank AG, geleistet. Die Darlehen laufen im Juni 2014 aus.

Der einzige Weg, die noch ausstehende Darlehensschuld von 43 Millionen Euro zurückzahlen zu können, liegt nunmehr in einem Verkauf der Fondsimmobilien. Vorsorglich hat die Fondsgeschäftsführung mit den Finanzierungsbanken vereinbart, dass die Büroimmobilien freihändig verkauft werden können. Die Crux: Die Fondsgeschäftsführung geht davon aus, dass der Verkauf der Immobilien nicht einmal 30 Millionen Euro erbringen wird. Gekostet haben die Häuser bei Ankauf im Jahr 2004 noch 70 Millionen Euro.

Wahl zwischen Pest und Cholera

Um die Differenz zwischen vermutetem Verkaufserlös und der Darlehensschuld abzudecken, hat die Fondsgeschäftsführung folgendes Konzept entwickelt: Die Anleger sollen 80% ihrer bereits erhaltenen Ausschüttungen an die Banken bezahlen. Stimmen die Anleger diesem Plan nicht zu, stellt die Fondsgeschäftsführung einen Insolvenzantrag. Die Anleger laufen dann in Gefahr, dass der Insolvenzverwalter 100% der Ausschüttungen von ihnen zurückfordert. Die Anleger haben nun bis 28. Mai 2014 die Gelegenheit, abzustimmen, ob sie die Fondsgeschäftsführung ermächtigen, die Immobilien freihändig und ohne Mindestpreis (!) zu verkaufen. Findet sich für diesen Antrag keine Mehrheit, kommt es zur Insolvenz. Eine Wahl zwischen Pest und Cholera.

Skandalöser Umgang mit Anlegern

Was wurde den Anlegern nicht alles versprochen: Vollmundig heißt es da im Verkaufsprospekt für Österreich: „Dem Fonds liegt eine konservative, rücklagenorientierte Fondskalkulation zu Grunde. Das Renditekonzept – Hoher Substanzwert von über 92%; Kaufpreis zum 13,23fachen der ersten Jahresmiete, bzw. durchschnittlich EUR 2.049 pro m², dadurch gute Wertsteigerungschancen, 95% der Gesamtmieteinnahmen langfristig gesichert; Die geplante Laufzeit beträgt ca 10 Jahre. Die Gesellschafter beschließen über eine gewinnbringende Veräußerung der Fondsobjekte.“

Zehn Jahre später fragen sich viele Anleger, wie es sein kann, dass die Fondsimmobilien über 60% an Wert verloren haben sollen. Es muss stark angezweifelt werden, dass allein die Abwertung des Immobilienmarktes in Holland zu einem solchen krassen Wertverfall der Fondsimmobilien geführt hat. Wie kann es sein, dass nunmehr die Fondsinitiatoren, die die Verantwortung für das Schlamassel tragen, sich nun auch noch ermächtigen lassen wollen, die Fondsobjekte freihändig und ohne Mindestpreisvorgaben zu verhökern?

Warum haben die Banken, die den Anlegern den MPC Holland 53 als solide Veranlage vermittelt haben, das Fondskonzept nicht auf die Plausibilität geprüft? Warum wurden Kaufverträge und Verkehrswertgutachten nicht kontrolliert, warum Anleger nicht darüber aufgeklärt, dass der Fonds mit hohen Provisionen und Weichkosten belastet ist? Und warum wurde nicht darüber informiert, dass die versprochenen Ausschüttungen in Wahrheit nur Rückzahlungen des Eigenkapitals sind, die bei wirtschaftlicher Schieflage wieder zurückverlangt werden können, wie es nun der Fall ist?

Eine Antwort auf diese Fragen mag sein: Die Banken bekamen für den Vertrieb des MPC Holland 53 überdurchschnittlich hohe Provisionen. Neben dem Agio auch Kick-Back Zahlungen aus dem Fondsvermögen. Wer beißt schon die Hand, die einen füttert?

Haftungsansprüche

Anlegern des MPC Holland 53 droht aktuell eine Inanspruchnahme auf Rückzahlung der erhaltenen Ausschüttungen. Soweit Anleger ihrer Bank oder ihrem Vermögensberater nicht über dieses Haftungsrisiko und auch nicht über die weiteren erheblichen Risiken aufgeklärt worden sind, liegt eine Falschberatung vor. Anleger haben bei einer solchen fehlerhaften Anlageberatung Schadensersatzansprüche gegen die Vermittler ihrer Fondsbeteiligung.

Unser Angebot

Die Kanzlei Schumacher vertritt bereits zahlreiche Geschädigte der MPC Hollandfonds gegenüber österreichischen Banken und Vermittlungsfirmen. Für viele unserer Mandanten konnten wir bereits angemessene außergerichtliche Lösungen erzielen. Wenn auch Sie im Zusammenhang mit dem Erwerb des MPC Holland 53 falsch beraten worden sind oder Ausschüttungen von Ihnen zurückgefordert werden, stehen wir Ihnen für die Durchsetzung Ihrer Ansprüche zur Verfügung.

Gerne klären wir mit Ihnen im Rahmen einer kostenlosen Ersteinschätzung ab, welche Möglichkeiten für Ihren Fall bestehen. Für Rechtsschutzversicherte übernehmen wir die Deckungsanfrage. Schicken Sie uns Ihre unverbindliche Anfrage oder rufen Sie uns an: 01-890 89 65.